Sylvia Henze

The Window

10.09. - 28.09.2008

Lesung am Sonntag, 21.9 um 18 Uhr in der Ausstellung.

„The Window“ von Sylvia Henze
Mittwoch, 10.9. bis Sonntag, 28.9. (außer Montag)
Geöffnet von 14 – 20 Uhr (und nach Vereinbahrung).

Es sprechen u. a.:
Reinhard Stuth, Staatsrat der Behörde für Kultur, Sport und Medien, Hamburg
und Michael Stoeber, Kunstkritiker, Hannover

Am 21.9. um 18:00 Uhr: Lesung aus dem Buch „Kalimerhaba“ von Niki Eideneier.
Es lesen Sophia Anastasiadou, Direktorin der Griechischen Schule Hamburg (deutsch/griechisch) und Mehmet Aydemir (türkisch).

Die Künstlerin ist jeweils anwesend.

Es werden Video- und fotografische Arbeiten der Künstlerin Sylvia Henze gezeigt. Sie geht darin der Frage nach, wie kriegerische Auseinandersetzungen und politische Fehlentscheidungen das Leben von Menschen prägen und absurde Situationen schaffen. Die Symbolik ihrer Werke zeigt uns, welche Konsequenzen sich für unsere Gesellschaft daraus ergeben. Und sie führt ein in die Erfahrung, Flüchtling zu sein.

Das Videoprojekt „The Window“ basiert auf einer realen Situation: eine Flüchtlingsfamilie lebt seit mehr als 30 Jahren direkt an der Pufferzone, die den griechischen und türkischen Teil Zyperns immer noch trennt. Ihr Fenster öffnet sich zur „Greenline“, an der es immer wieder zu bewaffneten Zwischenfällen kam. Sie durfte dieses Fenster seit 1974 nicht öffnen. Erst vor wenigen Jahren wurde international die Genehmigung ausgehandelt, das Fenster jede Stunde genau fünf Minuten lang zu öffnen. Fünf Minuten Licht und Luft, fünf Minuten Blick nach draußen, fünf Minuten einer jeden Stunde Leben.

Die Videoinstallation besteht aus 24 einzelnen, einstündigen Sequenzen auf 24 Monitoren. 12 Stunden zeigen die Situation innerhalb des Raums, 12 Stunden den Blick aus der Puffer-zone auf das Fenster. Zu hören sind Geräusche des täglichen Lebens der Familie.

Fotografische Werke von Sylvia Henze ergänzen die Ausstellung

Vison I - Fotografien, gedruckt auf Canvas. Ihr Format von 10 x 165 cm entspricht den Originalmaßen der Schießscharten in der Burg Kantara im Norden Zyperns. Fenster, die uns mehr als tausend Jahre gelehrt haben, die Realität nur ausschnitt weise wahrzunehmen.

Vision II - Installation mit Fotografien, 64 Close up-Aufnahmen von Augen von Männern, die in der geteilten Stadt Nicosia leben, präsentiert im Format der Schießscharten der Gegenwart.

Geschwärzte Brillen mit Sichtspalten in der Proportion von Schießscharten ermöglichen den Besuchern, diese Erlebnisse nachzuvollziehen.

Eine weitere Videoinstallation im Aufzugschacht der ehemaligen Fabrik führt in die beklemmende Welt der Menschen, die die Konsequenzen fehlgeschlagener Politik ertragen müssen. Hinter aufbrechenden Wänden aus roter Erde sprechen alte Frauen über ihre Sicht der Dinge – doch es ist still, kein Wort dringt durch zu uns.

Sylvia Henze (1962) lebt und arbeitet in Hamburg. Die Ausstellung „The Window“ ist Teil eines von ihr initiierten Kunstprojektes auf Zypern. Jahrelange Recherchen und die Zusammenarbeit mit Künstlern vor Ort mündeten schließlich in der Ausstellung „Aufbruch“, die 2005 in Nicosia erstmals gezeigt wurde. Dieses Projekt wurde unterstützt vom Auswärtigen Amt, dem Goethe Institut, der Europäischen Union und dem Ministerium für Bildung und Kultur der Republik Zypern.